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Die scherenschnitt-scharfen Konturen einer dunklen, technoiden Konstruktion
versperren die Sicht auf strudelnde Blautöne, die als dickflüssige
Turbulenzen hinter den Gerüsten verfließen. In einem anderen Gemälde sind
es die filigranen schwarzen Verstrebungen verflochtener Äste, die zusammen
mit den strengen Linien parallel verlaufender Leitungskabel den Blick in
die Wolken überlagern.
Der Berliner Künstler und Autor Sven Drühl (*1968, Nassau an der Lahn) hat
im ersten Fall eine Industrieaufnahme des bedeutenden Protagonisten
neusachlicher Fotografie Albert Renger-Patzsch von 1950 adaptiert. Im
zweiten Fall basiert seine malerische Transposition auf Eclipse II, einer
1999 entstandenen Landschaftsaufnahme des zeitgenössischen Fotokünstlers
Wolfgang Tillmans. Beide Szenarien, konstruierte Industrie- und organische
Naturstruktur, gehören zum Fundus ausgewählter Bildvorlagen, aus denen
Drühl seit zehn Jahren bei der Realisierung seiner meist großformatigen
Malerei schöpft. Sein visuelles „Alphabet“ setzt sich dabei aus
kunsthistorischen Versatzstücken der letzten 200 Jahre zusammen. Diese
reichen von den Landschaften eines Caspar David Friedrichs und anderer
Künstler des 19. Jahrhunderts, Architekturentwürfen, fotografischen
Ansichten und künstlerischen Darstellungen moderner und nachmoderner
Bauwerke von Frank Lloyd Wright bis Kenzo Tange und von Ed Ruscha über
Günter Förg bis hin zu Eberhard Havekost. Dabei versteckt sich die Referenz
zum Künstler als Signatur im Titel des Werks.
Die Verbindung zwischen Berglandschaften, Bäumen im Wald und modernen oder
modernistischen Bauten wird erkennbar: Sie alle haben etwas Konstruktives,
Zusammengesetztes. Sie bergen scharfkantige Umrisse und ineinander
greifende, teils fast geometrisch anmutende Elemente. Den
Landschaftsdarstellungen, die der Künstler in seiner charakteristischen
Mischtechnik mit Ölfarbe, Lack und Silikon in reduzierter, von sparsamen
Grün- und Gelbakzenten durchwirkten Farbpalette in Schwarz-, Weiß-, Blau-
und Grautönen generiert, sind architektonische Aspekte bereits
eingeschrieben. Nahtlos gehen sie in die fragmentarischen
Architekturansichten über, die den zweiten Strang in Drühls Arbeiten
bilden.
Belinda Grace Gardner
Weitere Informationen finden Sie auf www.svendruehl.de/